| COLONEL on tour |
Spring time(aus: ALPENTOURER 1002)
Der Colonel hört die Frühlingsglocken läuten und hat bald darauf die Erkenntnis, dass wahres Glück eben nur aus dem Inneren kommt. Als ich aus der Haustür trat, war er da: Dieser ganz bestimmte Geruch, der im Inneren Sehnsucht, Erinnerung und Vorfreude zugleich weckt – Frühling ist nah! Schlagartig gut gelaunt, federte ich pfeifend im ersten mild warmen Sonnenlicht des Jahres die Gartenstiegen hinunter, fing das Gartentor kurz vorm Zuschlagen lässig mit dem Cowboystiefel ab, und schwang mich ins Auto, die Aktentasche übermütig über die Nackenstütze auf die Rückbank pfeffernd.
Beim Vorglühen des Allradlers spürte ich dann so ein gewisses Rühren und Ziehen, und dachte bei mir – hey, eigentlich sollte mann diesen herrlichen Morgen doch ganz anders begehen, nämlich mit einem schnellen, kurzen… Warum eigentlich nicht? Ich zog den Schlüssel wieder ab, und lief zum Haus zurück. „Hast du dein Handy vergessen?“ Die Dame meines Herzens stand gerade vor dem Spiegel, war mit den Gedanken bei ihren Wimpern, die sie noch einmal nachzog. „No“, sagte ich und lehnte mich cool in den Türrahmen, ließ meine Augen genüsslich über ihre Linien wandern. Gleich würde sie diesen Ausdruck in meinem Gesicht wahrnehmen und weiche Knie bekommen, wenn ich auf sie zuging, sie in die Arme nahm, ehe ich sie, am besten gleich hier, bei der Kommode vor dem Spiegel… Sie sah nicht herüber, zupfte noch da und dort an ihren Haaren, prüfte den Lippenstift, war eindeutig nervös. Heute war das QM-Prüfteam bei ihr im Haus unterwegs, da musste alles tipp topp sein. Was sie offenbar auch auf sich bezog. Umso besser, lächelte ich in mich hinein, als ich ihre langen Beine in den hohen Schuhen betrachtete. Da hat jeder was davon, vor allem ich jetzt gleich… „Was dann?“, fragte sie, ohne den Blick abzuwenden. Ich trat hinter sie, ganz dicht, umfasste ihre Hüften und atmete den Duft ihrer Haare ein. Mmh. „Spürst du es?“, fragte ich. „Was meinst du?“, fragte sie, entwand sich meinem Griff und hob ihre Handtasche auf. Mmh, dieser Hintern im engen Rock… „Es ist Frühling da draußen“, sagte ich. „Echt, ist doch noch viel zu kalt“, meinte sie abwesend und wollte bei der Tür hinaus. Ich hielt sie fest, ihre Anspannung vor dem Arbeitstag einfach ignorierend. „Weißt du was?“ Seufzend ergab sie sich und fragte: „Sag schon, bin spät dran!“ „Frühling ist gleich auch hier drin“, raunte ich ihr ins Ohr. „Kindskopf!“ Sie drehte sich auf dem Absatz um, gab mir einen schnellen Kuss auf die Nase. „Ciao bello!“. Und draußen war sie. Na sehr super. Frühlingsgefühle, von wegen. Der Tag fing doch nicht so gut an. Sauer über die Abfuhr vor mich hin brummelnd, ging ich zu meinem Auto, das noch immer vor dem Haus wartete. Als mein Blick die Garagentür daneben streifte, rief mich eine innere Stimme. „Hey du Blödmann!“ Ich blieb stehen, lauschte. Die Stimme sprach weiter. „Du willst Frühlingserwachen spüren, Hormone Hochschaubahn fahren lassen und endlich mal wieder richtig loshämmern?“ Ja, dachte ich. Genau das will ich. „Worauf wartest dann noch?“ Ich runzelte kurz die Stirn, dann verstand ich und ein breites Lächeln teilte mein Gesicht. Und es verging erst, als ich an der Ortsgrenze, ungeachtet der eiskalten Restwinterluft, volles Rohr beschleunigte und laut „Ich komme!“ in den Helm brüllte. ;-)
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