Freitag, 10. Februar 2012
Die Horex-Historie – Erfolg und Trauerspiel

Dass es im noch jungen Jahrtausend endlich jemand wagt, den legendären Namen von HOREX wieder ernsthaft aufleben zu lassen, sorgt in der Szene fast für mehr Diskussionen, als das eigentliche neue Motorrad. Grund genug für ALPENTOURER, einmal die Geschichte der Marke zu beleuchten. Schließlich ist es über 50 Jahre her, dass eine „echte“ HOREX das einst so erfolgreiche Unternehmen verließ.

Gründer Friedrich Kleemann kaufte 1920 die kleine Motorenfabrik „Columbus-Motorenbau AG“ in Oberursel (Taunus). Erstes Modell war der „Gnom“, ein 1-PS-Fahrrad-Hilfsmotor, der in Fahrradrahmen verbaut wurde. Er wurde direkt vor dem Tretlager im Fahrrad befestigt.

1923 entstand die „Horex-Fahrzeugbau AG“, eine Kombination aus Homburg und dem Unternehmen Rex, das in Bad Homburg ansässig war. Der damals 24-jährige Fritz Kleemann entwickelete umgehend die erste richtige HOREX, eine 248-cm³-Maschine, die sich auch im Rennsport bewährte. Sein Leitspruch: „Gebaut von Motorradfahrern für Motorradfahrer“.

Im Laufe der Jahre entstand ein Programm, das Motorräder mit einem Hubraum von 250 bis 800 cm³ umfasste. Mit der S8 von 1933 entstand eines der stärksten Serienmotorräder seiner Zeit. Den größten Erfolg verzeichneten aber stets die Modelle mit dem unverwüstlichen 350-Kubik Motor. Als letztes dieser Modelle entstand 1938 die SB35. Kurze Zeit später musste der Motorradbau wegen der Kriegswirren ruhen.

Nach Kriegsende wurde die Produktion mit genau diesem Modell wieder aufgenommen. Ab 1950 rollte die SB35 dann aufgefrischt als HOREX Regina über die Straßen und entwickelte sich zur bestverkauften Maschine ihrer Klasse. Mit 18.600 Exemplaren war 1953 der Höhepunkt der Regina-Produktion erreicht.

Dann ging alles ganz schnell. Der Regina-Nachfolger Resident konnte nicht mehr überzeugen. Auch die Imperator, ursprünglich mit 500-Kubik Motor angefacht, dann aber mit nur 392 Kubik und 26 PS in Serie gefertigt, floppte. Und schon 1956 musste das Unternehmen aufgeben.

Die Namensrechte wanderten in den folgenden Jahrzehnten von einem Entrepeneur zum nächsten. Friesel Münch gehörte zu den Eigentümern, oder auch Zweirad-Importeur Roth. Es entstanden eine Menge kurioser Entwicklungen, die mit dem Namen HOREX verknüpft wurden, aber nicht konnte sich durchsetzen. 

Jetzt liegen die Rechte an HOREX bei einem neu gegründeten Unternehmen mit Sitz in Garching. Mit großem Elan und hohem Aufwand, ausgestattet mit Fördermitteln und dem Kapital von überzeugten Investoren, soll der Name HOREX wieder für technisch hochentwickelte Motorräder im Premium-Segment stehen. Ob das gelingt, steht noch in den Sternen, die Serienproduktion ist für Ende 2011 vorgesehen. Nicht einmal ein Produktionsstandort ist derzeit klar. Und so kommen schnell Zweifel auf. In einschlägigen Foren wird bereits gemutmaßt, dass hier viel Marketing-Tamtam gemacht wird, sich am Ende aber einige nur die Taschen füllen und die marke wieder in der Versenkung verschwindet. Hoffentlich nicht.

Denn Trauerspiele hat der Namen genug hinter sich gebracht. So ist es bis heute nicht einmal gelungen, am einstigen Firmensitz in Bad Homburg ein HOREX-Museum zu schaffen. Was sicher ein Anziehungspunkt für Zweiradfans aus aller Welt wäre, versickert seit einem guten Jahrzehnt in den Mühlen von Bürokratie und Lokalpolitik. So muss man etwa ins Deutsche Zweiradmuseum nach Neckarsulm ausweichen, um der HOREX-Geschichte auf die Spur zu gehen.

Wir von ALPENTOURER jedenfalls würden ein Markenmuseum ebenso begrüßen wie einen gelungenen Start des technisch spannenden Neuanfangs. Denn Friedrich Kleemann verstand es stets, hochwertige Modelle für alle Einsatzzwecke vom profanen Alltag übers Reisen bis zur Rennstrecke zu bauen. Und gerade die Tourer-Version einer HOREX mit einem VR6-Kompressor verspricht, den Markt gründlich aufrollen zu können.



 

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