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Fahrbericht Honda X-ADV: Moller oder Rotorrad?

Es passiert ja selten, dass im Bereich Motorrad noch neue Kategorien „erfunden“ werden. Den Ingenieuren von Honda scheint es mit dem X-ADV gelungen. Nach unserem Kurz-Test war klar: Das ist ein „MOLLER“! Wahlweise auch ein „ROTORRAD“.

Der X-ADV wird in der Kommunikation von Honda lieber als „Motorrad“ bezeichnet. Auch die Mitarbeiter sind angehalten diese Bezeichnung zu verwenden. Wenn einem Kollegen da mal ein „Schieb doch mal eben den Roller rein!“ rausrutscht, kommt das in der Führungsebene eher so halbgut an. Immerhin redet Honda auch alternativ von „einer völlig neuen Fahrzeugklasse“. Unabhängig davon was der X-ADV nun ist oder nicht ist, wenn es an das Fahren geht, bekommt man mit ihm vor allem eins: viel Spaß!

Der erste Eindruck beim Aufsitzen: „Huch, ist der hoch“. Ich mit meinen bescheidenen 172 Zentimetern komme nur mit den Fußballen auf den Boden. Das ist schon das erste untypische Merkmal für einen Roller, wird aber besser je weiter man auf der bequemen Sitzbank nach vorne rutsch. Diese Höhe verschafft aber gleichzeitig viel Bodenfreiheit.

Der etwas vertiefte Durchstieg vorne ist allerdings ganz klar ein Rest eines Roller-Gen, und zwar ein bequemer. Weiteres praktisches Feature, das eher von Roller-Vorfahren zeugt, ist der sehr große Kofferraum unter der Sitzbank, ausgestattet mit einer USB-Ladesteckdose. Hier kann man direkt ein ganzes Tablet während der Fahrt aufladen.

Der zweite wirklich bleibende Eindruck: „Wow! Das geht ab!“. An der Ampel ist man mit diesen Gefährt ganz klar der Gewinner. Hier zeigt die X-ADV dass das Honda Doppelkupplungs-Getriebe ein echter Fortschritt ist. In der Africa Twin sind wir mit dem Getriebe gar nicht zufrieden gewesen, in anderen Fahrzeugen ist es schon besser gewesen, in diesem „Moller“ ist es wirklich eine wahre Freude.

Während man so im Stadtverkehr wirklich alle hinter sich lassen kann, hat das Getriebe auch im Einsatz ausserhalb der Stadtgrenzen keine Überzeugungsprobleme. Die Schaltwippen werden gerne hinzugezogen, und bringen eine Extraportion Fahrfreude. Die zwei Fahrstufen Drive und Sport haben hier beide ihre Berechtigung, während wir die Africa Twin eigentlich immer nur im Sport-Modus bewegen konnten.

Überhaupt, die Teile die aus dem Bereich Motorrad genommen worden, können alle überzeugen. Der Kettenantrieb vermittelt gefühlt mehr Direktheit als ein Riemen, die verstellbare 41 Millimeter Upside-Down-Gabel sieht nicht nur super aus, sie schluckt durch ihren langen Federweg auch deutlich mehr Unebenheiten, als die kleine Gabel eines Rollers.

Zielsicher lenkt man in enge und lange, schnelle Kurven ein, aus denen man schön heraus beschleunigen kann, ohne sich über den richtigen Gang Gedanken zu machen.

Wenn man dann mal schneller rollt, fühlt man sich schon auch wie auf einem Motorrad – wenn die Füße nicht so weit vorne wären. Einen kleinen Schrecken bekomme ich dann doch, als ich versehentlich anstatt der vermeintlichen Kupplung auf einmal die Bremse ziehe, aber es gibt Fehler die macht man nur ein Mal. Daran muss man sich als Motorrad Fahrer genauso gewöhnen wie beim Umstieg auf ein Automatik Auto.

Der 750 Kubikzentimeter große Honda-Motor, bekannt zum Beispiel aus der NC750, ist ohne Fehl und Tadel. Für ein Motorrad vielleicht etwas untermotorisiert, fühlt man sich andererseits aber mit den 68 Nm Drehmoment wie auf einem Raketen-Roller – je nach dem welchen Vergleich man anlegt. Der Verbrauch ist trotz Automatik eher lächerlich. Man kann selbst bei wilden Beschleunigungsorgien im Stadtverkehr selten über fünf Liter kommen. Meist liegt man zwischen drei bis vier Litern, lediglich auf der Autobahn wird mal etwas mehr Kraftstoff durch die Brennräume gepustet.

Damit kommen wir zum dritten Eindruck der besonders hängen geblieben ist: Dank der großen Reifen, des Stahlrohrrahmens mit dem langen Radstand und des großen Motors, kann man erstaunlich gut selbst längere Strecken auf der Autobahn fahren. Eine Reisegeschwindigkeit von 150km/h ist dabei überhaupt kein Problem.

Ich habe mich auf dem X-ADV sicherer und wohler gefühlt, als auf so manchem Motorrad das ich bisher gefahren bin.

Die große, verstellbare Tourenscheibe hat sicher mit einen Anteil daran, aber das „Rotorrad“ liegt auch gut auf der Bahn und hat sogar noch Beschleunigungsreserven. Nur lange Etappen wird man nicht machen, denn der kleine 13-Liter-Tank sorgt für ein frühes Aufblinken der Tankanzeige.

Was wir nicht getestet haben, war die als „X“ im Namen angepriesene Geländegängigkeit des ADV (Adventure) Bikes, denn unser Testfahrzeug verfügte nicht über die optionalen und dafür hilfreichen Zusatz-Fußrasten.

Dieses Gefährt fahren zu dürfen war für mich eine echte Bereicherung. Es zeigt mir, wie die Mobilität in der Zukunft aussehen kann. Man kann praktische Zweiräder bauen, die wenig Platz brauchen und trotzdem viel Spaß bringen. Es ist auch ein Fahrzeug, auf das man als Wiedereinsteiger aufsteigen kann, und mit dem sofort auf Tour gehen kann, für das man sich auch optisch nicht schämen muss. Der X-ADV ist also für jeden das, was er für sich daraus macht.

Wie auch immer der persönliche Geschmack sein mag, der X-ADV bietet zwei Räder und viel Spaß, und das ist es doch, was uns verbindet, das was uns eint, egal ob auf dem Roller oder dem Motorrad – oder auf einem „Moller“. Weitere Infos und technische Daten hält die Honda-Webseite zum X-ADV bereit.

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2 Kommentare

  1. Schade konntet Ihr nicht die „Offroadeigenschaften“ testen. Das wäre für mich ein wichtiger Punkt. Das „Scooterfeeling“ kenne ich bereits. Ist es absehbar, wann ein „Offroadtest“ folgt?

    • Leider fehlte dem Testmodell die passende „Offroad“-Ausstattung. Wir können im Moment nicht sagen, wann wir ein entsprechend ausgerüstetes Modell erhalten, werden uns aber darum bemühen. Wohl aber erst in der kommenden Saison.

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