Startseite » ALPENTOURER BLOG » Fahrbericht Kawasaki Z1000SX

Fahrbericht Kawasaki Z1000SX

Um ein Motorrad zu testen, das schon lange auf meiner Wunschliste steht, mache ich mich auf den Weg zu Kawasaki in der Nähe von Frankfurt. Auch die wenig komfortable Anreise über die A3 auf der neuen Versys-X 300 kann meine Vorfreude nicht schmälern, und so stehe ich alsbald mit leuchtenden Augen vor einer mit Kofferset vollausgestatteten Z1000SX. Rein vom Design der Verkleidung sowie der Scheinwerfer würde man eher auf eine Reisevariante der Ninja-Baureihe tippen, jedoch weisen die auffälligen, beidseitig angebrachten Doppel-Endschalldämpfer unübersehbar auf die Verwandtschaft mit Kawasakis Supernaked hin. Eine echte Augenweide!

Nach einer kurzen Erklärung der Fahrmodi finde ich mich mit 142 munteren Pferdchen ausgerüstet wieder auf den hessischen Landstraßen. Aufgrund des neu aufgezogenen Vorderreifens gewöhne ich mich zunächst zurückhaltend im sichersten Modus „drei“ der Traktionskontrolle sowie im Power-Modus „Low“, bei dem die Leistung auf 75% mit sanfterem Ansprechverhalten reduziert ist, an die Z. Hier agiert die Maschine absolut unaufgeregt, lässt sich geschmeidig durch die Kurven treiben und kinderleicht handeln. Zurück auf der Autobahn beweist sie, dass es einem Sporttourer nicht an Windschutz mangeln muss. Selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten wähnt man sich wohlbehütet.

Alltagstauglich ohne Abstriche


Bei der heimatlichen Ankunft ist bereits klar, dass meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht wurden. In den kommenden Testwochen fahre ich die Maschine mit Freude täglich bei Wind und Wetter zur Arbeit sowie bei der Feierabendrunde, nun mit voller Leistung und ohne Traktionskontrolle. Dabei ist wirklich erstaunlich, dass die Z auch ohne eingeschaltete Assistenzsysteme leicht zu fahren ist. Selbst wenn laut Erzählungen und diversen Videos Stunteinlagen möglich sind, ist es bei richtiger Gewichtsverlagerung nicht nötig seine Gashand unnötig zu beschränken. Trotz der 111 Newtonmeter maximalen Drehmoments.

Von Bremse und Federbein abgesehen ist das Innenleben der Z1000SX nahezu identisch zu ihrer Naked-Variante Z1000. Dabei fallen vor allem das Getriebe und dessen Übersetzung sehr positiv auf. Obwohl es durchaus gut möglich ist, die Maschine beim Anfahren im ersten Gang vollständig bis in den dreistelligen km/h-Bereich zu beschleunigen, funktionieren auch höhere Gänge in geringen Drehzahlbereichen noch sehr gut. Um sich mit dieser Kawasaki merklich zu verschalten, müssen schon grobe Fehler vorliegen. Dies steht im völligen Gegensatz zu manch einem Konkurrenzmotorrad, bei dem die Getriebeübersetzung vor allem in abschüssigen Kurvenfahrten viel Fahrkönnen erfordern kann. Dennoch würde diese Art des Fahrens von manchem wohl bereits als Schaltorgie bezeichnet werden, und so bleibt das Thema Getriebe am Ende eben doch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Auch wenn die Z1000SX für den Alltag etwas übermotorisiert scheint, so ist sie mit ihrem vergleichsweise guten Wetterschutz und einem akzeptablem und im Rahmen der Herstellerangabe liegenden Testverbrauch von etwa sechs Litern keine Maschine, die nur für die Ausfahrt herausgeholt werden kann. Müsste ich an dieser Stelle etwas kritisieren, wäre es allenfalls der 19 Liter fassende Tank, der für die ganz langen Touren gerne noch etwas mehr fassen könnte.

Hochfunktionales Sportwerkzeug

Beim Gedanken an das nahende Testende breitet sich eine gewisse emotionale Leere aus. Die Kawasaki hat es geschafft den Funken überspringen zu lassen und ich gebe sie nur widerwillig zurück. Mit der Z1000SX ist es gelungen ein trotz hoher Leistung sehr gut und einfach zu fahrendes Motorrad zu entwickeln, das, wenn es drauf ankommt, alles andere als langweilig ist. Während andere Hersteller in der Klasse der Sporttourer den Fokus auf die Tour setzen und vom Sport allenfalls die Leistung übrig lassen, gibt Kawasaki für knapp 13.000 Euro dem sportlichen Fahrer ein hochfunktionales Werkzeug in die Hand, wobei Komfort und Tourentauglichkeit absolut konkurrenzfähig sind.

Am Ende bleibt für mich persönlich der Eindruck, die perfekte Tourenspaßmaschine gefunden zu haben. Bisher – denn die für diese Saison angekündigte, Kompressor aufgeladene H2 SX bin ich ja noch nicht gefahren … Frederik Colmorgen

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar verfassen

x

Check Also

Fahrbericht Yamaha SCR950: mehr Cruiser als Scrambler

Scrambler sind "in". Aber nicht jede Basis eignet sich für den Umbau zur Stilikone. Der Fahrbericht zur Yamaha SCR950 jedenfalls hinterlässt gemischte Gefühle beim Autor.

Honda hat die Gold Wing geschrumpft

Die Luxusmotorrad-Ikone Honda GL1800 Gold Wing wird kompakter, leichter und agiler als jemals zuvor.

Fahrbericht Ducati Scrambler Desert Sled

Ducati stellt mit der Desert Sled einen Scrambler auf die feinen Speichenräder, der auf Anhieb jedem gefällt.

Translate »