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Fahrbericht Yamaha SCR950: mehr Cruiser als Scrambler

An der Modellpalette fast jeden Herstellers lässt sich mittlerweile erkennen, dass sich mit klassischen Motorrädern offensichtlich gutes Geld verdienen lässt. Auch Yamaha ist auf den Zug aufgesprungen und hat sich mit der SCR950 neu am bewährten Scrambler-Konzept der 1960er Jahre versucht. Speichenfelgen, Stahlschutzbleche, Stollenreifen und ein klassisches Straßenbike-Design, mehr braucht es nicht – das hat sich zumindest Yamaha gedacht.

Das Design gehört definitiv zu den gelungenen Merkmalen der SCR. Die Seitenverkleidungen im Stil historischer Nummerntafeln und der flanschlose Tank zählen hierbei zu den Highlights. Da V-Motoren bekanntlich zu den ansehnlichsten Motorarten auf dem Kraftfahrzeugmarkt gehören, sind die zwei Zylinder auch bei diesem Scambler ansprechend in Szene gesetzt worden –– zumindest auf der linken Seite. Auf der rechten Seite ist der Blick schlichtweg durch den klobigen Luftfilterkasten versperrt, der zudem im Sitzen auch den Platz für das entsprechende Knie einschränkt.

Der schwarze stählerne Doppelschleifenrahmen macht sich ebenfalls sehr gut an dem Motorrad, trägt jedoch auch zu dem nicht unerheblichen Gewicht von 252 Kilogramm fahrfertig bei. Stil hat eben seinen Preis. Überhaupt wird man das Gefühl nicht los, dass die meisten Designelemente eine dunkle Seite mit sich bringen. Die hinteren Federelemente beispielsweise sehen klasse aus, sind jedoch für ein sich Scrambler schimpfendes Bike recht unterdimensioniert, sodass die Fahrt über die hiesigen Landstraßen zur Rumpelpartie gerät. Ins Gelände möchte man hiermit garantiert nicht. Ebenso der eben erwähnte, schön ausgestaltete Benzintank, der eine Kapazität von unglaublichen 13 Litern aufweist. Dass Yamaha diesen Inhalt auf ihrer Website als „für eine großzügige Reichweite“ sorgend bezeichnet, ist dabei fast schon frech.

Fahrdynamisch hingegen überrascht die SCR. Trotz des hohen Gewichts macht das Kurvenfahren Spaß, auch wenn die Fußraste etwas zu früh am Asphalt kratzt. Vom Motor darf man dabei nicht zu viel erwarten. Bei nur 54 PS können auch 942 Kubikzentimeter Hubraum kein Wunder wirken. Von dem an sich hohen Drehmoment – 79,5 Newtonmeter – im unteren Drehzahlbereich ist leider nicht allzu viel zu spüren.

Auch wenn sich letztendlich unsere Begeisterung in Grenzen hält, trifft die SCR950 wohl in eine Nische. Das Design, das Auftreten, der Name rufen dem potenziellen Käufer „Scrambler“ zu, eine Probefahrt wird sich jedoch mehr nach „Cruiser“ anfühlen. Kein Wunder, basiert das Modell schließlich auf der dort angesiedelten XV950. Am Ende ist dies dann auch irgendwo ein Alleinstellungsmerkmal. Wer mehr cruisen als scramblern will und kein Topplatzierung im Ranking PS pro Euro erwartet, bekommt für knapp 9.900 Euro nicht weniger als ein solides, trotz einigen Übergewichts einfach zu handhabendes, klassisches Motorrad – aber eben auch nicht mehr. Frederik Colmorgen


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Ein Kommentar

  1. Was habt ihr geraucht? Der Tank viel zu klein. Der Spalt zwischen Tank und Steuerkopf geht gar nicht, viel zu groß. Und dann die Gummifaltenbalge an der Gabel, ein Unding. Täuschen Federweg vor, können gar nichts. Bin kein Ducatifan, aber kein Vergleich zur Scambler.

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